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Wenn sich Gitarren ein Duell liefern, kommt das Publikum ins Staunen
Spanische und südamerikanische Klänge im Alten E-Werk
Neckargemünd. Der Sommer ist endlich in Sichtweite. Da passte ein Abend mit
mediterranen und südamerikanischen Klängen im Alten E-Werk ganz hervorragend.
Auf Einladung des Arbeitskreises Kultursommer gastierte dort mit dem
„Nuevo Cuarteto“ eine Formation, die sich ebensolcher Musik und besonders dem Flamenco verschrieben hat.
Bandchef ist der Gitarrist Jan Pascal Stieber.
Mit dabei war auch der junge Gitarrist Alexander Kilian, mit dem sich Stieber manch hitziges gitarristisches Duell lieferte.
Flirrende, hart angerissene Töne der beiden Gitarristen entfachten ein Feuerwerk, welches das Publikum in Staunen versetzte. Dafür sorgte auch der Mannheimer Jazzsaxophonist Alberto Menendez, der als Spanier von Haus aus ein Faible für solche Klänge hat.
„Uma bossa“ (eine Welle) war der Titel einer sanft fließenden BossaNovaNummer, die Menendezmit dem warmen Klang seines Sopransaxophons ruhig und entspannt veredelte.
Schönstes BrasilGefühl stellte sich dabei ein, die Leichtigkeit des Seins unter dem Zuckerhut wurde greifbar.
Dies erst recht in der Samba „Tempodrom“, die sehr viel Lebenslust erhielt durch das Flötenspiel von Menéndez, sowie durch das spielerische Temperament der beiden Gitarristen. Der venezolanische Percussionist Omar Plasencia ließ dazu seine Congas sprechen – damit kam das Samba-Feuer erst recht auf Touren. Mit dabei war auch der italienische Bassist Sandro Gulino. Paco de Lucia ist ein Vorbild für alle FlamencoGitarristen. Auch Jan Pascal Stieber schrieb als Hommage für den spanischen Gitarristen eine „Buleria“, bei welcher komplizierte spanische Klatschrhythmen starken Drall hineinbrachten, und worüber die beiden Gitarristen ihre erregenden Tonfolgen abschnurrten.
Ein Feuerwerk an tremolierenden und hochtourig rasenden Tönen wurde dabei von den beiden abgebrannt. Wie eng die arabische mit der spanischen Musik verflochten ist, das konnte man erleben in „Arabian nights“, deren schöne Melodien Stolz und Leidenschaften transportierten. Geschmeidig geschlängelte Melodien entlockte Menendez dem Sopransaxophon im „Tanz der Beduinen“. Überhaupt tanzte diese Musik immerfort, sei es in lateinamerikanischer Vitalität oder in gefühlvollen Balladen. Lyrische Melodiosität und flirrende Ornamentik befanden sich in regem Austausch: in Stiebers „Dance of joy“ ebenso wie in Rodriguez’ „Concerto d’Aranjuez“. Rasant verwirbelte Läufe schwenkten in ein inniges Gefühl. Im furiosen Staccato ließen die Gitarristen ihre Skalenläufe und Girlanden dahinrasen.
Melodien begannen zu tanzen, schwelgen und flirren, in einem Austausch von
Gefühl, Feuer und Passion. Kein Wunder, wenn das Publikum nach jeder Nummer
seine Begeisterung zeigte und sich am Ende noch ein paar Zugaben erjubelte.
Rainer Köhl (RNZ Heidelberg) |