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Da war der Sommer plötzlich da
Wesel, 11.08.2011, Stefanie Hain
Jan Pascal Nuevo Cuarteto bei den Marienthaler Abenden.

Alexander Kilian, Sandro Gulino, Rafael Cortes, Jan Pascal nach dem Konzert in Wesel
Hamminkeln. „Für die letzten vier Abende haben wir Sommerliches bestellt. Auch wenn das Wetter draußen nicht mitspielt, wir haben Sommer hier drin“, verkündete Karl-Heinz Elmer vom Kulturkreis zum Auftakt des siebten Marienthaler Abends euphorisch.
Man lachte zuerst ein wenig ungläubig, klatschte freundlich und vergaß dann verblüffenderweise in Sekundenschnelle tatsächlich, dass das Wetter außerhalb des lilafarbenen Kulturzeltes eher herbstlich war. Jan Pascal und seine Gruppe „Nuevo Cuarteto“ holten ohne viel Aufwand, dafür mit umso mehr Feuer, den Sommer fühlbar in das Kulturzelt.
„Sommerabend der spanischen Gitarre“ war das Motto des Konzerts und schon nach den ersten Anschlägen auf der Sologitarre von Jan Pascal hatte man das Gefühl, in eine schummrige, spanische und vor allem schwül warme Bar versetzt worden zu sein. Appetit auf Tapas und schweren, roten Wein inklusive. Der Gitarrist Jan Pascal bereitete dem Publikum zusammen mit Alexander Kilian (Gitarre), Omar Placensia (Percussion), Sandro Gulino (Bass) und Alberto Menéndez (Saxophon, Flöte) einen rauschhaften, mediterranen Abend voller zwingender Rhythmen und spanischer Lebenslust. Schwere, süße Klänge wechselten sich ab mit temperamentvollen, leichten und rasanten Passagen – so, und nur so klingt Spanien. „Ich liebe dieses Instrument, die spanische Gitarre“, hauchte Jan Pascal – stilecht in weißem, lockerem Hemd und mit verschwitztem Pony – nach den ersten Stücken ins Mikrofon und setzte schon zum nächsten Stück an. Das Quintett spielte sich leichtfüßig und mit sichtbarem Spaß durch einen Abend voller Rhythmus, der sich ins Blut zwang. Sitzen zu bleiben schien vor allem bei der Bulería, einem Tanz im schnellen Flamenco-Takt, oder einer feurigen Samba, unangebracht.
Von traditionell-spanischen Klängen arbeiteten sich die Musiker bis nach Südamerika durch, begeisterten mit plötzlich urban-lässigen Tönen, die besonders durch das grandiose Saxophonspiel von Alberto Menéndez dominiert wurden. Und schon schlug die Band wieder den Bogen zurück nach Spanien. „Mich haben auch immer die arabischen Einflüsse in der spanischen Musik gereizt“, erklärte Jan Pascal, der die meisten Stücke selbst geschrieben und arrangiert hatte, und bezauberte gleich darauf mit einer „Arabischen Nacht“. Unglaublich rasante und virtuos interpretierte Stücke wechselten sich ab mit schmelzenden Balladen über die Freundschaft oder das Wesen der Wellen. Das Zelt war erfüllt von einer Musik, die unglaublich sexy und feurig war. Musik, die pure Lebensfreude darstellt und eigentlich bei 30 Grad Celsius unter freiem Himmel gehört werden sollte.
Die Musiker, die erst seit einem Jahr in dieser Besetzung spielen, wurden nach jedem Stück frenetisch beklatscht – und in der Pause strömte alles nach draußen. Eine Abkühlung war durchaus erforderlich. |