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Spanische Gitarren in Harxheim

Einem musikalischen Sommernachtstraum wohnten die Besucher des vollbesetzten Innenhofes unter dem grünen Blätterdach der schatten- und Atmosphäre spendenden Hofbäume im Weingut Janson Bernhard bei. Die Formation „Nuevo Cuarteto“, diesmal mit fünf Musikern, ist keine Unbekannte mehr im Zellertal und haben bei ihrem diesjährigen Gastspiel wieder die Freunde spanischer Gitarrenmusik hellauf begeistert. Schon zu Beginn leitete Bandleader und Chef der Gruppe Jan Pascal Stieber mit beeindruckender Fingerfertigkeit an den Saiten den südlichen Abend stimmungsvoll ein, eine sanft geblasene Querflöte des spanischen Neuzugangs Alberto Menéndez ergänzte die südamerikanischen Klänge perfekt. Nicht nur die Querflöte, vor allem das Sopran-Saxophon, das Menéndez exquisit vorstellte, gab dem Abend einen neuen Klang, denn zu den vertrauten, klassisch-spanischen Gitarrenklängen kam der jazzige Ton des Holzblasinstrumentes hinzu und gab dem Ganzen noch eine besondere Note.
Jazziger, improvisierender und noch ein bisschen anspruchsvoller als im Vorjahr sprühten die Musiker gerade zu vor Spielfreude. Ob Tango oder die südamerikanische Komposition „Una Bossa“ , da waren wirklich Profis am Werk, die Freude am kompetenten Zusammenspiel zeigten.
Der Benjamin unter den Musikern und Preisträgergitarrist Alexander Kilian, der schon im letzten Jahr beim Konzert positiv aufgefallen war, steht seinem Lehrmeister Jan Pascal in nichts mehr hinten an. Das spannungsreiche Wechselspiel zwischen den beiden Gitarren, mal Flitzefinger, mal lässig aus dem Handgelenk, vermittelt eine Leichtigkeit des Klangs und des Rhythmus, hier fallen hohe Begabung und langjähriges Üben zusammen und auf äußerst fruchtbaren Musikboden. Überhaupt hat der Abend der musikalischen Superlative an allen Instrumenten Hochkaräter zu bieten. Bassist Sandro Gulino trägt mit seinem sanften Background das Gitarrenflimmern und den musikalischen Wellenschlag der Querflöte, Omar Placensia aus Venezuela hat den Rhythmus gepachtet und umrahmt oft zusammen mit Menéndez die Melodien, die vom südländischen Schlag leben. Jan Pascal unterstreicht das gute Gefühl noch in seiner Ansage: „ Solche Kollegen sind wie eine Sänfte, die einen musikalisch träg.!“ Ob Samba im „Tempodrom“ , Arabische Nächte und Beduinenklang, alles klingt so mühelos, sanft und einfühlsam und lässt Musiker wie Zuschauer nahezu auf einem Notenteppich davonschweben. Da möchte man Gitarre sein! Obwohl hier fünf exzellente Solisten am Werke waren, gab es keinen Frontmann, die Stärke der Formation ist das Zusammenspiel, das Miteinander, das Hören auf den Anderen und das sich Überraschen lassen, was kommt als nächste Improvisation vom Kollegen? Sandro Gulino krault seinen Bass, ein jazziges Saxophon, perlende Gitarren und ein einfühlsamer Percussionist, der das Wechselspiel zwischen Spannung und gleitender Harmonie unterstreicht und nicht totschlägt, Nuevo Cuarteto vom Feinsten. Der angenehme Klang ist eine Wohltat für die Ohren und beweist, dass technisches Gedröhne, das oftmals bei Konzerten vorherrscht, wirklich nicht sein muss. Feine Klangnuancen, sanft oder aggressiv, fordernd und schmeichelnd, die Bearbeitung des Gitarrenklassikers „Aranjuez“ in Anlehnung an Chick Corea demonstriert die enorme Bandbreite der fünf Musiker.
Humor geht auch auf der Gitarre, klingt da die „Blaue Donau“ oder die „Blaue Pfrimm“? Die Gruppe fühlt sich wohl im herrlichen Weingut und kommen natürlich nicht ohne Zugaben von der Bühne und stehende Ovationen der Besucher aller Altersklassen waren der verdiente Lohn und das Versprechen, bestimmt wieder zu kommen, wenn das neue Quartett mit fünf Granaten wieder im Zellertal musiziert.